
Kredite und Finanzierungen
Crowdfunding und Eigenkapital: Optionen für eine Schweizer KMU
Je nach Gegenleistung kann Crowdfunding in vier Formen auftreten: Spende, nicht-finanzielle Belohnung, Darlehen (Crowdlending) oder Kapitalbeteiligung (Crowdinvesting).
Einleitung: Zwei Wege zur Finanzierung Ihrer KMU
Das Crowdfunding kann je nach Gegenleistung vier verschiedene Formen annehmen: die Spende, eine nicht-finanzielle Belohnung, das Darlehen (Crowdlending) oder die Kapitalbeteiligung (Crowdinvesting). Eine KMU kann Eigenkapital auch direkt von Gesellschaftern oder Investoren beziehen.
Crowdlending: Kreditaufnahme bei der Masse
Beim Crowdlending verleihen Geldgeber einer Firma Geld gegen Zinsen. Die Höhe der Zinsen hängt von den mit dem Darlehen verbundenen Risiken ab. Diese Methode ermöglicht es, Kreditgeber anzusprechen, ohne traditionelle Finanzintermediäre einzuschalten; der Prozess kann einfacher sein als bei einer Bank.
Bei neocredit.ch erfolgt die Antragstellung online: Das Formular dauert im Durchschnitt zwei Minuten, anschliessend prüfen Analysten das Projekt. Als Mindestkriterien werden vier Jahre Bestehen und ein Jahresumsatz von 150'000 CHF genannt. Nach einer positiven Prüfung sieht das Unternehmen sein Angebot im Kundenbereich ein; die Plattform wirbt mit transparenter Preisgestaltung und dem Fehlen versteckter Gebühren.
In der Schweiz erreichte das Crowdlending-Volumen 2019 418,4 Millionen CHF, was einem Anstieg von 159,75 % gegenüber 2018 entspricht. Cashare, laut dem KMU-Portal die führende Schweizer Plattform, hat die Finanzierung von mehr als 1'400 Projekten ermöglicht. Ein genanntes Beispiel ist ein Darlehen von 50'000 CHF, rückzahlbar über 36 Monate, zu einem Zinssatz von 6,9 %.
Kennzahlen zum Crowdlending in der Schweiz
- Anzahl der durch Cashare finanzierten Projekte
- Mehr als 1'400
- Beispiel für ein Darlehen: Betrag und Laufzeit
- 50'000 CHF über 36 Monate
- Angewandter Zinssatz
- 6,9 %
Eigenkapitalzufuhr: Investoren und Partner
Eigenkapitalzufuhren können bei der Unternehmensgründung oder im Rahmen einer Kapitalerhöhung erfolgen. Sie können in Form von Bareinlagen, Sacheinlagen oder Rechten geleistet werden. Business Angels, Venture-Capital-Investoren und Gesellschafter sind mögliche Geldgeber.
Business Angels verfolgen einen ähnlichen Ansatz wie Venture-Capital-Investoren, jedoch in kleinerem Massstab. Einige Finanzgesellschaften sind auf die Bereitstellung von Risikokapital spezialisiert; Geld von Investoren oder Freunden kann ebenfalls Eigenkapital darstellen, wenn die Rendite vom Erfolg des Unternehmens abhängt – im Gegensatz zu einem Darlehen.
Ein Unternehmer, der ein Unternehmen gründet, kann sein Altersguthaben aus seiner Pensionskasse beziehen und als Eigenkapital einsetzen. Die Geldgeber erhalten grundsätzlich einen Anspruch auf den Gewinn, das Vermögen und den Liquidationserlös sowie Informations-, Interventions- und Mitentscheidungsrechte. Sie tragen die unternehmerischen Risiken, die je nach Rechtsform auf die Höhe der Einlage beschränkt sein können.
Crowdinvesting: Eine Form des eigenkapitalbasierten Crowdfundings
Crowdinvesting ermöglicht es mehreren Investoren, eine Beteiligung an einem Unternehmen zu erwerben. Es richtet sich insbesondere an Start-ups und KMUs, die Eigenkapital zur Finanzierung ihrer Entwicklung suchen. Die Investoren werden Miteigentümer und teilen sich Risiken und Gewinne.
CONDA Schweiz präsentiert sich als Crowdinvesting-Plattform für Start-ups und KMUs. Sie weist mehr als 21'000 registrierte Nutzer, mehr als 44 Millionen CHF investiertes Crowd-Kapital und mehr als 65 erfolgreich finanzierte Projekte aus. C-Crowd ist eine weitere genannte Crowdinvesting-Plattform für innovative Start-ups auf der Suche nach Investoren; interessierte Personen können dort Miteigentümer werden.
Wahl zwischen Fremdkapital und Eigenkapital: Entscheidungskriterien
Eigenkapital steht in der Regel ohne feste Fälligkeit zur Verfügung und verursacht keine festen Zinszahlungen. Es stärkt die Bonität, doch Investoren erwarten eine Rendite und erhalten Mitentscheidungsrechte, was die unternehmerische Freiheit einschränken kann.
Beim Crowdlending nimmt das Unternehmen Fremdkapital auf, ohne sein Kapital zu verwässern. Das Darlehen sieht Zinsen und Tilgung vor, was die Liquidität belastet; der Zinssatz hängt vom mit der Finanzierung verbundenen Risiko ab.
Eigenkapital eignet sich für eine KMU, die ihre Entwicklung finanzieren möchte und bereit ist, Miteigentümer aufzunehmen sowie Entscheidungen zu teilen. Crowdlending kann einen Finanzierungsbedarf durch Kreditaufnahme decken, wenn das Unternehmen die vorgesehenen Zinsen und Tilgungen tragen kann.


